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WA WM 3D Frankreich | WA WM Jugend Argentinien

16.10.2017 14:00 | Sponsoring

Nachwuchsschütze Moritz Wieder bei WM unter den Top Ten Athleten

Während unser Compounder David Ris bei der WM 3D der World Archery Ende September leider durch eine fiese Grippe weitestgehend ausgenockt war und sich deshalb in diesem Jahr mit Platz 40 begnügen musste, hatte unser DSB-Nachwuchsschütze Moritz Wieser in Rosario, Argentinien bei der WM der Jugend Anfang Oktober einen super Wettkampf: Moritz konnte sich sowohl im Einzel, Team und Mixed Team jeweils unter den Top Ten platzieren - super gemacht, Moritz - wir gratulieren!

Recurveschütze Moritz Wieser an der Schießlinie bei der WM der Jugend in Argentinien

Moritz Wieser unterlag erst dem später Drittplatzierten Pil-Jong Kim

Recurveschütze Moritz Wieser - WM der Jugend in Rosario, Argentinien

Mit einer hervorragenden Bilanz konnte ich die Jugend Weltmeisterschaft im argentinischen Rosario beenden. In allen drei Wettkämpfen landete ich unter den besten Zehn.

Bereits am 28.09. flog ich mit Herrn Haidn, unserem Bundestrainer und einer weiteren Team-Kollegin von München nach Frankfurt, dort trafen wir dann alle anderen WM-Teilnehmer aus unserer Gruppe. Unser Weiterflug Frankfurt – Buenos Aires dauerte ca. 13 Stunden, wir hatten jedoch sehr gute Sitzplätze, was den langen Flug eigentlich ganz angenehm machte. In Buenos Aires angekommen ging es dann nochmal 4 Stunden nach Rosario in unser Hotel. Am ersten Tag hatten wir noch trainingsfrei und konnten uns noch akklimatisieren, wir hatten ja doch 5 Stunden Zeitverschiebung.

Insgesamt nahmen an der WM 64 Nationen mit 528 Schützen teil. Die Jugendklasse war mit 114 Athleten aus 51 Nationen die am stärksten besetze Klasse. Am Tag vor der Qualifikation musste unser Training witterungsbedingt ausfallen. Während der Nacht und auch noch tagsüber zog ein starker Sturm über das Wettkampffeld. Alle Zelte, Anlagen, Bänke usw. wurden vollkommen zerstört und das Wasser stand knöchelhoch. Wir waren froh, dass der Regen aufhören sollte, aber mit starkem Wind hatten wir während der gesamten Wettkampfwoche zu kämpfen.

Am Dienstag konnten wir mit der Qualifikationsrunde starten. Nach einem etwas schwierigen Start, auch wetterbedingt, konnte ich mich während des Wettkampfs doch noch gut platzieren und besetzte mit 330 und 334 Ringen am Ende den 17. Platz im teilnehmerstarken Feld. In den Finalrunden unterlag ich nach drei Siegen (1/48 6:2 Chile; 1/24 7:1 Italien, 1/16 6:0 Japan) erst im Achtelfinale gegen den späteren Bronzededaillien-Gewinner Pil-Jong Kim aus dem weltweit stärksten Bogenland Südkorea.  Am Ende konnte ich mich über Platz 9 im Einzel freuen.

In der Teamwertung belegte ich zusammen mit Jonathan Vetter (Ditzingen) und Tobias Weinhart (Berlin) in der Vorrunde den 7. Platz. Nach einem knappen Sieg im 1/8 Finale gegen die Ukraine, schieden wir im ¼ Finale gegen Japan mit 0:6 aus. Unsere Mannschaft belegte letztlich den 8. Platz. Im Kadetten-Mixed-Team ging ich als bester deutscher Jugendschütze mit meiner Teamkollegin Elisabeth Gaspert an die Linie. In einem starken Achtelfinale unterlagen wir jedoch dem Favoriten aus Südkorea mit 3:5 und belegten den neunten Platz.

Die Weltmeisterschaft in Argentinien war für mich ein absolut tolles Erlebnis. Ich habe es sehr genossen, mich mit anderen super Schützen an der Schießlinie zu messen. Mit meinen Leistungen war ich mehr als zufrieden. Mein letztes Jahr in der Kadettenklasse habe ich als erfolgreichster deutscher Athlet in der Jugend-WM abgeschlossen, sowie als zweifacher Deutscher Meister.  

Das deutsche Team der WM 3D in Robion, Frankreich

Compoundschütze David Ris - WM 3D in Robion, Frankreich

Ich war schon ein wenig überrascht, als mir Andrea Thiex, Vorsitzende meines Vereines SuSC Müllenborn, im Mai eine Mail weiterleitete, in der der DSB nach potenziellen Schützen für die WM 3D der World Archery Federation in Südfrankreich suchte. Ich war natürlich sofort bereit, zumal es die erste deutsche Delegation bei einer 3D-WM der WA sein würde. Bisher hatte sich der DSB ja aus dem 3D-Schießen eher rausgehalten. Als Auswahlturnier sollte die jeweilige Landesmeisterschaft gelten. Also auch für diese gemeldet und fleißig trainiert. Bei der Landesmeisterschaft lief es eher suboptimal, da ich kurz vorher noch viele Änderungen am Bogen vorgenommen hatte. Trotzdem reichte die Punktzahl aus, um als Compoundschütze mit nach Frankreich fahren zu können.

Der Termin rückte also immer näher. Ich wollte bereits am Sonntag mit dem Flieger nach Marseille fliegen. Arnold Fawier, ein Langbogenschütze, den ich schon so lange kenne, wie ich mit dem Bogen unterwegs bin, hatte die gleiche Maschine gebucht und würde ebenfalls mit nach Robion kommen. Und so standen wir sonntags um 7 am Flughafen Düsseldorf, gut gelaunt und gespannt, was uns so erwarten würde. Der Check-in mitsamt Bögen ging reibungslos über die Bühne und nach einigen Minuten Wartezeit und Verabschiedung von meiner Holden saßen wir im Flieger. Nur anderthalb Stunden später flogen wir schon die Landeschleife über dem Mittelmeer und landeten schließlich bei bestem Wetter in Marseille. Nach Gepäckabholung und Passkontrolle – in Frankreich herrscht immer noch Ausnahmezustand seit dem letzten Terrorakt – erreichten wir die Ankunftshalle, wo uns eigentlich ein Volunteer einsammeln und zum Shuttle-Bus nach Robion geleiten sollte. Aber da war keiner. Und es kam auch keiner. Also erstmal im Hotel anrufen. Dort erfuhren wir, dass die deutsche Delegation nicht wie geplant im Belambra Hotel untergebracht wäre. Wo wir hin müssten konnte uns der nette Herr leider nicht sagen. Aber die Nummer des Organisationbüros in Robion hätte er. Gut, artig bedankt und dort angerufen. Mit meinem Rest-Schulfranzösisch meldete ich mich: „Bonjour, tu parles l’anglais?“ Knappe Antwort „Non“. Na bravo, das kann ja heiter werden. Zum Glück fand die Dame wohl einen Kollegen, der mit starkem Akzent ein paar Brocken Englisch sprach. Er versprach, uns einen Volunteer zu schicken. Also hieß es warten. Nach etwa 10 Minuten kam dann der erwähnte Freiwillige – der auch nur rudimentär Englisch sprach. Dann hieß es erstmal am Busparkplatz warten, bis die Finnen ankommen. So konnten wir schon mit ein paar Engländern sprechen. Lustige Truppe! Etwa zwei Stunden später kamen wir dann in Robion an. Dort wurden noch Fotos für unsere WA-Wettkampfpässe aufgenommen und ein paar Formalitäten erledigt. Dann ging es endlich ins Hotel – ein IBIS direkt an einer Schnellstraße und einer TGV-Strecke! Und außer den deutschen Schützen und ein paar offiziellen waren keine anderen Nationen anwesend – schade, denn gerade das internationale Flair macht die Teilnahme an einer solchen Meisterschaft doch gerade erst reizvoll.

David Ris auf der WM 3D 2017 in SüdfrankreichDer Trainingsplatz der WM 3D in Robion, FrankreichBeim Abendessen bekam ich dann zu allem Überfluss noch Schüttelfrost und einen dicken Kopf. Mist, hatte ich mich doch noch bei meiner kleinen Tochter angesteckt. Ich verkrümelte mich schnell ins Bett, dort fieberte ich die ganze Nacht, begleitet von Bauchkrämpfen und Schüttelfrost. Aus einer leeren Wasserflasche improvisierte ich eine Wärmflasche, das half zumindest gegen die Krämpfe. Montagmorgen schleppte ich mich ziemlich zerstört zum Frühstück. Zum Glück fand ich noch ein paar Medikamente, die nicht auf der Anti-Doping-Liste stehen und gegen die Symptome eines grippalen Infektes lindern (Geloprosed, falls mal jemand bei einem Wettkampf erkältet ist).

Vor Ort gab es dann die Bogenkontrolle und ein freies Training. Ich ließ ein paar Pfeile fliegen. Der Bogen lief gut, trotz Krankheit fanden die Pfeile ihr Ziel. Nach dem Training ging es zurück ins Hotel und für mich nach einem eher traurigen IBIS-Abendessen und einer kochend heißen Dusche ab ins Bett.

Der erste Wettkampftag begann mit dickem Kopf, Gliederschmerzen und verrotzter Nase. Mit Medikament ging es einigermaßen, aber so richtig auf der Höhe war ich nicht. Meine Gruppe bestand aus dem Österreicher Wolfgang Wiener, dem Mexikaner Pedro Martinez und dem Russen Artem Zubalevich. Wir begannen an einem Kasuar. Wie alle Ziele der WM war er von der französischen Firma Naturfoam. Schön, aber knüppelhart und schnell kaputt. Für mich das größte Problem an diesem Tag: Ich kannte die Ziele zum größten Teil nicht, was das Schätzen enorm erschwerte. Doch beim Kasuar konnte ich mich an ein paar Bäumen orientieren und eine 11 und eine 10 schießen. Doch der weitere Verlauf des Tages war alles andere als gut. Das Schätzen bereitete mir massive Probleme und gegen Ende des Parcours war ich körperlich ziemlich schlapp. Und so blieb ich trotz netter Gruppe weit unter meinen gewohnten Ergebnissen. Wie sich nachher herausstellte, hatten viele der Schützen Probleme mit dem Schätzen und die Ergebnisse waren insgesamt nicht so gut – bis auf ein paar Schützen, die die gestellten Aufgaben sehr gut lösen konnten. Naja, ab ins Hotel und ausruhen, morgen erneut angreifen hieß die Devise.

Gegen Grippe auf dem Wettkampf hilft nur Trinken, Trinken, Trinken...David kämpfte sich trotz fieser Erkältung durch die Quali der WMDie Nacht war dann leider für mich bereits um 5 vorbei. Zu meiner Erkältung kam jetzt noch ein fieser Durchfall. Auf dem Hinweg zum Wettkampfplatz kamen wir zum Glück an einer Apotheke vorbei und nach einigem Hin und Her – in Frankreich sprechen nur wenige wirklich Englisch! – und dank des Google- Translator bekam ich ein passendes Medikament. Aber wirklich fit ist anders. Ich schoss erneut mit Artem, der ein wirklich netter Kerl ist. Und an diesem Tag lief es deutlich besser. Ich schoss sauber und sicher 10er und 11er, war bis zur Hälfte noch auf einem sehr guten 480er Kurs. Doch dann kam ein ziemlicher körperlicher Einbruch. Die drei Tage Krankheit forderten eiskalt ihren Tribut. Ich konnte den Bogenarm nicht mehr sauber im Ziel halten, so dass vor allem die zweiten Schüsse häufig nach unten weg gingen. Mühsam schleppte ich mich ins Ziel. Wieder weit unter meinen Erwartungen. Damit war dann für mich das Turnier bereits nach der Qualifikation vorbei.

Den nächsten Tag verbrachten wir zwar ebenfalls auf dem Schießgelände, um die Schützen anzufeuern, die weiter gekommen waren. Aber wir ließen es sehr ruhig angehen und haben die Zeit dafür genutzt, mit den Schützen aus anderen Nationen zu fachsimpeln. Ich denke, unser gesamtes Team hat den deutschen Bogensport sehr gut nach außen vertreten. Alle, die mit einem unserer Schützen in der Gruppe geschossen haben, haben das faire und nette Verhalten der DSB-Vertreter gelobt.

Freitag konnten wir dann noch die Team-Elimination ansehen. Im Anschluss fuhren wir alle an den Pont du Gard, immerhin muss man ja auch ein wenig Kultur mitnehmen, wenn man schon mal in Südfrankreich ist. Den Abschluss des Tages bildete ein Kurztrip ans Mittelmeer. Die salzige Luft und der Sonnenschein taten gut bei meiner Erkältung.

Durch die Erkältung leider weit ab vom Kill: David's PfeilSamstag ging es dann nach Avignon, wo vor der grandiosen Kulisse des Papstpalastes die Halbfinale und die Finals geschossen wurden. Die Besucherführung war perfekt und man konnte nahezu jedes Ziel einsehen. Kristina Heigenhauser dominierte ihre Gegenerin im Halbfinale mit dem Blankbogen – das ließ auf ein spannendes Finale hoffen! Und so versammelte sich die gesamte Deutsche Mannschaft auch, um Kristina im Finale zu unterstützen. Mit ihrer Silbermedaille hat sie, eigentlich Compoundschützin, deutlich gezeigt, dass sie eben richtig gut Bogen schießt! Am Abend ging es dann zur Abschlussfeier. Dort gab es ein von allen heiß ersehntes Bankett, das leider eher schlecht ausfiel. Nur kleine Häppchen konnte die internationale hungrige Meute nicht wirklich zufriedenstellen. Und das im Land des Weins und der guten Küche. Im Anschluss wurde noch in der Bar des Hotels getanzt und gefeiert. Gegen 3 Uhr fiel ich wie ein Stein ins Bett. Um 6 klingelte dann der Wecker, da bereits um kurz vor sieben der Bus zum Flughafen gehen sollte. Und so trat ich dann mit sehr kleinen Augen und etwas blass um die Nase den Heimflug an.

Alles in allem eine wahnsinnig schöne Woche, trotz Krankheit und schlechter Leistung meinerseits. Ich habe so viele nette Leute kennen gelernt und Kontakte geknüpft. Zusätzlich war es einfach eine tolle Erfahrung, in einem so hochklassig besetzten Feld zu schießen. Und so heißt das nächste Ziel für mich ganz klar: Quali für die EM 2018 in Schweden!

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